Individuelle Software
Individuelle Software vs. SaaS-Lizenz: Eine TCO-Betrachtung für KMU
· 4 Min. Lesezeit
Kurzantwort
Vor jedem Digitalisierungsprojekt steht im strategischen IT-Management die klassische "Make or Buy"-Entscheidung: Mieten wir als Unternehmen eine fertige Cloud-Software als Service (SaaS – Software as a Service) oder lassen wir eine maßgeschneiderte ...
Vor jedem Digitalisierungsprojekt steht im strategischen IT-Management die klassische "Make or Buy"-Entscheidung: Mieten wir als Unternehmen eine fertige Cloud-Software als Service (SaaS – Software as a Service) oder lassen wir eine maßgeschneiderte Individualsoftware (Custom Software) auf eigene Rechnung programmieren?
Eine oberflächliche Betrachtung der Initialkosten führt hier oft zu strategischen Fehlentscheidungen. Für Geschäftsführungen ist ausschließlich die Total Cost of Ownership (TCO) – die Gesamtbetriebskosten über eine mehrjährige Laufzeit – relevant.
Das SaaS-Modell (OPEX): Mieten statt Kaufen
Beim SaaS-Modell (z.B. Salesforce, HubSpot, Shopify) abonnieren Sie eine Lizenzen für eine Cloud-basierte Software. Die IT-Infrastruktur, Wartung und Updates liegen vollständig beim US-amerikanischen oder europäischen Hersteller.
Die finanzielle Struktur (OPEX - Operational Expenditure): SaaS-Lösungen verursachen operative Betriebsausgaben. Ein CRM kostet beispielsweise 80 Euro pro Benutzer und Monat. Bei 15 Vertriebsmitarbeitern bedeutet das 1.200 Euro monatlich, oder 14.400 Euro jährlich.
Die Vorteile von SaaS:
- Time-to-Market: Die Software ist innerhalb von Stunden einsatzbereit (abgesehen vom unternehmensinternen Onboarding).
- Zero-Maintenance: Ihr Betrieb benötigt keine eigene IT-Abteilung für Server-Wartung oder Sicherheits-Patches. Diese Pflicht trägt der Vendor.
- Liquiditätsschonend: Keine hohen Initialinvestitionen (CAPEX). Die Kosten fallen monatlich an und sind transparent planbar.
Die Risiken von SaaS:
- Der Vendor Lock-in: Sie begeben sich in eine absolute Abhängigkeit zum Provider. Erhöht dieser die Preise um 30 % (was im Cloud-Markt üblich ist), müssen Sie zahlen, da eine Migration weg vom System oft immens teuer ist.
- Kein Eigentumsaufbau: Nach zehn Jahren und 144.000 Euro gezahlten Gebühren gehört Ihnen exakt 0 % der Software. Kündigen Sie das Abonnement, geht das Licht aus.
- Starre Prozesse: Das Unternehmen muss seine internen Kernprozesse an die Software anpassen – nicht umgekehrt. Änderungsanforderungen (Feature Requests) einzelner KMUs werden von globalen Anbietern selten priorisiert.
Die Individualsoftware (CAPEX): Investition in Unternehmenswerte
Bei der Individualentwicklung (Software Engineering) beauftragen Sie eine Technologie-Agentur, ein System präzise entlang Ihrer Architektur-Spezifikationen (dem Lastenheft) zu programmieren.
Die finanzielle Struktur (CAPEX - Capital Expenditure): Individualsoftware erfordert hohe strategische Vorabinvestitionen (Capital Expenditures). Die initialen Entwicklungskosten (z.B. 40.000 Euro für ein Portal) müssen vorab finanziert werden, können jedoch bilanziell über die Nutzungsdauer (oft 5 Jahre) als immaterielles Wirtschaftsgut abgeschrieben werden.
Die Vorteile von Custom Software:
- 100 % Prozess-Mapping: Die Software passt sich kompromisslos an Ihre hochspezialisierten Geschäftsprozesse an. Das führt oft zu massiven Effizienzsteigerungen, die eine Standardsoftware niemals erreichen könnte (der sogenannte Wettbewerbsvorteil durch IT).
- IP-Eigentum (Intellectual Property): Der Quellcode (Source Code) gehört am Ende in der Regel Ihnen. Dies steigert den Unternehmenswert (Valuation).
- Keine nutzerbasierten Skalierungskosten: Ob 15 oder 150 Mitarbeiter das System nutzen, die reinen Softwarekosten (außer Hosting-Skalierung) bleiben stabil. Es gibt keine "Pro-User-License-Gebühren".
Die Risiken der Eigenentwicklung:
- Time-to-Market: Die Entwicklungszyklen (Konzeption, Programmierung, Testing, Deployment) nehmen oft mehrere Monate in Anspruch.
- Instandhaltungskosten: Sie tragen die Verantwortung für den laufenden Betrieb (Application Management), Updates (z.B. bei serverseitigen Frameworks) und Cyber-Security. Hierfür müssen Service-Level-Agreements (SLAs) mit externen Dienstleistern einkalkuliert werden.
Die TCO-Rechnung: Ab wann ist "Make" günstiger als "Buy"?
Der Break-Even-Point (der Punkt, ab dem die Eigenentwicklung lukrativer wird) hängt primär von der Nutzeranzahl und dem "Workaround-Faktor" ab.
Wenn das SaaS-Produkt Ihre Anforderungen nur zu 70 % abdeckt, und Ihre Mitarbeiter täglich eine Stunde pro Kopf damit verschwenden, Daten über Excel-Exporte manuell in ein zweites (ebenfalls kostenpflichtiges) Tool zu übertragen, explodieren die wahren Kosten des SaaS-Modells (Versteckte Personalkosten).
In der Praxis vieler KMUs im B2B-Sektor überschneiden sich die Kostenkurven oft im 3. bis 4. Betriebsjahr: Nach vier Jahren übersteigen die kumulierten SaaS-Lizenzkosten (plus die Kosten für teure Middleware wie Zapier zur Überbrückung von Datensilos) die initialen Entwicklungs- und Hostingkosten der Individualsoftware. Danach erzeugt die Individualsoftware in jedem weiteren Jahr einen wachsenden finanziellen Vorteil.
Die pragmatische IT-Strategie
Die "Make or Buy"-Entscheidung sollte niemals dogmatisch, sondern immer prozessspezifisch getroffen werden:
- SaaS (Buy) für Commodity-Prozesse: Nutzen Sie für alltägliche "Standard-Probleme", die nicht differenzieren (wie Buchhaltung, einfache E-Mail-Kommunikation, standardisiertes Hosting), etablierte SaaS-Lösungen. Hier das Rad neu zu erfinden, wäre eine massive Kapitalverschwendung.
- Individualentwicklung (Make) für den Kernprozess: Investieren Sie in eigene Software dort, wo Ihr USP (Unique Selling Proposition) liegt. Die Tourenplanung Ihres Spezial-Fuhrparks, das hochkomplexe Konfigurationsportal für Ihre Industrie-Gussmaschinen oder die automatisierte Qualitätssicherung in der Fertigung – dies sind Kernkompetenzen, die durch IT geschützt und eskaliert werden müssen.
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Häufig gestellte Fragen
Beim SaaS-Modell (z.B. Salesforce, HubSpot, Shopify) abonnieren Sie eine Lizenzen für eine Cloud-basierte Software. Die IT-Infrastruktur, Wartung und Updates liegen vollständig beim US-amerikanischen oder europäischen Hersteller.
Bei der Individualentwicklung (Software Engineering) beauftragen Sie eine Technologie-Agentur, ein System präzise entlang Ihrer Architektur-Spezifikationen (dem Lastenheft) zu programmieren.
Der Break-Even-Point (der Punkt, ab dem die Eigenentwicklung lukrativer wird) hängt primär von der Nutzeranzahl und dem "Workaround-Faktor" ab.
Die "Make or Buy"-Entscheidung sollte niemals dogmatisch, sondern immer prozessspezifisch getroffen werden:
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