Zurück zum Blog
ProzessdokumentationProzesse dokumentierenAnleitungKMUProzessPilot

Prozesse dokumentieren: Anleitung in 7 Schritten für KMU

Marc Zocher4 Min. Lesezeit

Die meisten Anleitungen zur Prozessdokumentation lesen sich, als hätten sie ein Konzern für einen anderen Konzern geschrieben. Für einen Betrieb mit 5 bis 50 Mitarbeitern ist das unbrauchbar. Diese Anleitung ist das Gegenteil: sieben konkrete Schritte, mit denen Sie Ihren ersten Prozess in einer halben Stunde sauber festhalten, ohne vorher eine Notation lernen zu müssen.

Warum sich der Aufwand lohnt und was fehlendes Prozesswissen kostet, habe ich im Überblicksartikel Prozessdokumentation für KMU beschrieben. Hier geht es ums konkrete Vorgehen.

Schritt 1: Den richtigen Prozess auswählen

Der häufigste Fehler ist der Versuch, gleich das ganze Unternehmen zu dokumentieren. Das überfordert und wird nie fertig. Nehmen Sie stattdessen einen einzigen Prozess, und zwar einen, der drei Kriterien erfüllt:

  • Er kommt häufig vor.
  • Er verursacht regelmäßig Ärger, Rückfragen oder Fehler.
  • Mehr als eine Person ist beteiligt.

Klassiker sind die Angebotserstellung, der Rechnungseingang oder die Urlaubsübergabe. Fangen Sie dort an, wo es diese Woche gehakt hat.

Schritt 2: Start und Ende festlegen

Bevor Sie einen einzigen Schritt notieren, klären Sie die Grenzen: Womit beginnt der Prozess, und woran erkennen Sie, dass er abgeschlossen ist? Ohne klaren Start und ein klares Ende ufert jede Dokumentation aus.

Beispiel Angebotserstellung: Start ist die Kundenanfrage per E-Mail, Ende ist das versendete Angebot. Alles davor und danach ist ein anderer Prozess.

Schritt 3: Die Schritte in der richtigen Granularität erfassen

Jetzt schreiben Sie die Abfolge auf. Wichtig ist die Flughöhe: nicht jeder Mausklick, aber jeder inhaltliche Schritt. Eine gute Faustregel: Ein Schritt ist alles, was eine Person am Stück erledigt, bevor die Aufgabe an eine andere Person, ein anderes System oder eine Entscheidung übergeht.

Denken Sie in drei Bausteinen: Aufgaben (etwas wird getan), Entscheidungen (es geht in verschiedene Richtungen weiter) und Wartezeiten (der Vorgang liegt, ohne dass jemand arbeitet). Gerade die Wartezeiten werden fast immer vergessen, obwohl sie oft der größte Zeitfresser sind.

Schritt 4: Verantwortliche und Systeme notieren

Zu jedem Schritt gehören zwei Angaben: Wer macht es, und in welchem Programm? Das klingt banal, ist aber der wertvollste Teil der ganzen Übung.

Denn genau hier werden die Medienbrüche sichtbar, also die Stellen, an denen Daten von einem System ins nächste umgetragen werden: aus der E-Mail in die Warenwirtschaft, aus dem Angebot in die Buchhaltung. Jeder dieser Sprünge ist später ein Kandidat für Automatisierung. Wer Verantwortliche und Systeme sauber notiert, hat die halbe Automatisierungsanalyse schon erledigt.

Schritt 5: Dauer und Häufigkeit erfassen

Halten Sie für jeden Schritt fest, wie lange er dauert und wie oft der Prozess pro Jahr vorkommt. Aus diesen zwei Zahlen ergibt sich der Jahresaufwand, und der verwandelt eine Beschreibung in eine Entscheidungsgrundlage.

Wenn ein Prozess 45 Minuten dauert und 400 Mal im Jahr läuft, kostet er Sie 300 Arbeitsstunden. Jährlich. Wie Sie diese Zahl sauber ausrechnen, auch bei verschachtelten Teilprozessen, zeigt der Artikel Jahresaufwand eines Prozesses berechnen.

Schritt 6: Entscheidungen und Sonderfälle abbilden

Ein Prozess läuft selten schnurgerade. Es gibt Freigaben, Ausnahmen, Sonderpreise für Stammkunden. Bilden Sie die wichtigsten davon als Entscheidungspunkte ab, aber übertreiben Sie es nicht: Die zwei oder drei häufigsten Verzweigungen reichen. Der seltene Einzelfall, der einmal im Jahr auftritt, gehört in eine Randnotiz, nicht in den Hauptpfad.

Schritt 7: Aktuell halten

Eine Dokumentation, die veraltet, ist schlimmer als keine, weil sie einen Ablauf beschreibt, den es so nicht mehr gibt. Deshalb braucht es zwei Dinge: klare Zuständigkeit (wer pflegt den Prozess) und einen festen Anlass zur Prüfung (etwa einmal im Quartal oder immer dann, wenn sich etwas ändert). Am besten arbeitet das Team gemeinsam an der Doku, mit Lese- und Bearbeitungsrechten, statt dass alles Wissen bei einer Person liegt.

Die häufigsten Fehler

  • Zu detailliert. Wer jeden Klick dokumentiert, wird nie fertig und niemand liest es.
  • Nur Text. Ein Fließtext-Dokument in Word beschreibt keinen Ablauf, es versteckt ihn. Prozesse sind Schritte, keine Prosa.
  • Ohne Zahlen. Ohne Dauer und Häufigkeit fehlt die Grundlage für jede Priorisierung.
  • Einmalig. Dokumentation ist kein Projekt mit Enddatum, sondern eine Gewohnheit.

Womit dokumentieren?

Sie können mit Papier und Stift anfangen, das ist besser als nichts. Für alles, was bleiben und im Team gepflegt werden soll, wird Word und Excel aber schnell zur Sackgasse (warum, steht im Artikel Prozessdokumentation-Vorlage).

Genau dafür haben wir ProzessPilot gebaut: Sie erfassen Ihre Prozesse als Schritte, halten Verantwortliche, Systeme, Dauer und Häufigkeit fest, und das Tool berechnet den Jahresaufwand automatisch. Im Team, auf deutschen Servern, im Einstiegspaket dauerhaft kostenlos.

Jetzt kostenlos mit ProzessPilot starten → und den ersten Prozess in einer halben Stunde festhalten.

M

Marc Zocher

Geschäftsführer bei Smartbetrieb GmbH. Experte für Prozessautomatisierung und digitale Transformation im Mittelstand. Berät Handwerksbetriebe und KMU in der Region Hannover.

Bereit, den Autopiloten einzuschalten?

Lassen Sie uns herausfinden, wo Sie aktuell stehen und welche Hebel wir sofort bewegen können.

Kostenloses Erstgespräch buchen